Wo bleibt der Weitblick?
Die nachfragestützenden Maßnahmen schienen zunächst erfolgreich. Aber es staute sich auch Nachfrage auf. Ersparnisse, die geparkt wurden, auch weil zum Beispiel in der Pandemie unbeschwertes Shopping kaum möglich war. Oder begehrte Güter, die wegen gestörter Lieferketten nicht verfügbar waren. Ein ganz wesentlicher Aspekt sind die Inflationserwartungen. Intuitiv folgen die Inflationserwartungen der Inflation, das heißt: Erst steigen die Preise, dann passen die Konsumenten ihre Inflationserwartungen nach oben an. Doch das muss nicht notwendigerweise der Fall sein.
Vorhersehbare Inflationserwartungen
Wenn sich das Angebot aufgrund von Lieferkettenstörungen verknappt, ahnen viele Konsumenten, dass sie nur dann zum Zug kommen, wenn sie schnell sind. Dafür nehmen sie auch höhere Preise in Kauf. Dies wiederum führt zu den erwarteten Preiserhöhungen, weitere werden befürchtet. Die Folge: Später geplanter Konsum wird vorgezogen, weil ja alles noch teurer wird. Selbsterfüllende Prophezeiungen setzen einen Teufelskreis steigender Preise und höherer Inflationserwartungen in Gang.
Unvorhersehbare Preistreiber
Einen verstärkenden Effekt auf die Inflation und auch auf die Inflationserwartungen hatte ganz sicher der Krieg in der Ukraine. Die Auswirkungen auf die Nahrungsmittelpreise und der Schock für die Verbraucher an den Zapfsäulen folgten auf dem Fuß. Selbst dann zögerte die EZB noch, entschlossen Maßnahmen zu ergreifen. Von ihrem Ziel, die relative Preisstabilität um die zwei Prozent zu halten, waren sie da längst weit entfernt.
Erwartungen halten die Inflation lange hoch
Inflationserwartungen werden sich nicht so schnell zurückbilden, selbst wenn deren Ursachen wirksam bekämpft werden. Und weil dies bekannt ist, die Verbraucher also wissen, dass die Inflation im Wesentlichen an den Inflationserwartungen hängt und die Zentralbanken darauf wenig bis keinen Einfluss haben, beißt sich die Katze sozusagen in den Schwanz. Es wird lange dauern, bis die Zentralbanken das Vertrauen der Bürger in niedrige Inflationsraten wieder aufgebaut haben.
Fazit: anhaltende Inflation?
Die Zentralbanken haben zu lange auf das vorübergehende Phänomen der Inflation vertraut und zu lange mit ihren Gegenmaßnahmen gewartet. Freilich kamen viele Anstoßeffekte – Pandemie, Lieferstörungen, Krieg in der Ukraine – zusammen. Aber wenn die Konsumenten das Vertrauen in die Entschlossenheit der EZB verlieren, gibt es inflationsverstärkende Vorzieheffekte. Und diese erschweren die Aufgabe der Zentralbanken, für stabile Preise zu sorgen, noch einmal deutlich. Die Inflation wird uns deswegen für längere Zeit begleiten. Wer in dieser Situation weiter Vermögen bilden will, wird die negativen Folgen der Inflation durch ein Investment in einen Fonds wie den MEAG Global Aktien am ehesten vermeiden können.