Herr Amenda, wie hängen Inflation und Deglobalisierung zusammen?
Die Jahrzehnte hohen Wirtschaftswachstums haben wir im Wesentlichen der Globalisierung zu verdanken. Die Produktion wurde zunehmend in Länder verlagert, in denen selbst unter Berücksichtigung von Transportkosten günstiger produziert werden konnte. Das ging in den vergangenen 70, 80 Jahren gut. Künftig werden die Sicherung von Lieferketten sowie die Produktion in der Heimat oder heimatnäheren Ländern eine größere Rolle spielen. Die Deglobalisierung führt zu einer Verteuerung, und zwar vermutlich über einen längeren Zeitraum, bis die Anpassung geschafft ist. Produktionsverlagerungen brauchen Zeit.
Bedeutet Deglobalisierung dann auch: mehr regional produzierte Güter, weniger umweltschädliche Transporte?
Bei der Deglobalisierung wird nicht die gesamte Wertschöpfung zurückverlagert, sondern eher die letzten Stufen. Viele Rohstoffe und Vorprodukte werden weiterhin aus weit entfernten Ländern kommen, weil sie im Inland schlicht nicht verfügbar sind. Eine großzügigere Vorratshaltung zur Pufferung potenzieller Lieferstörungen ist sehr naheliegend. Auch dies ist ein Kostentreiber.
Neben dem neueren Thema Deglobalisierung rückt ein altbekanntes zunehmend in den Fokus: die demografische Entwicklung. Die geburtenstarken Jahrgänge Mitte der 60er-Jahre, die sogenannten Baby-Boomer, gehen in Rente. Nach den Baby-Boomern kam der „Pillenknick“. Dem Arbeitsmarkt fehlen diese Arbeitskräfte jetzt. Zum Teil haben die Unternehmen hier vorgesorgt. Durch die Deglobalisierung haben sich jedoch Knappheiten herausgebildet, die sich nicht so schnell auflösen lassen.