Gibt es auch Gewinner der aktuellen Situation?
Wir erkennen durchaus auch Anpassungsreaktionen. „Not macht erfinderisch“, sagt der Volksmund. Und getreu diesem Motto richten einige Unternehmen ihr Geschäftsmodell neu aus. Hotels bieten Mobile-Working-Arbeitsplätze an, um ihre freien Räume zu belegen. Manche Unternehmen erleben in der momentanen Lage sogar eine erhöhte Nachfrage. So hat beispielsweise der Export nach China wieder stark zugelegt, wovon insbesondere die deutsche Automobilindustrie profitiert.
Ist eine weitere Verschuldung durch staatliche Hilfen noch tragbar?
Ich sehe keine Gefahr für einen Schuldenkollaps. Zum einen dürfte es, wie bereits ausgeführt, zu keinem zweiten Lockdown kommen. Zum anderen war Deutschland vor Beginn der Pandemie mit sehr soliden öffentlichen Haushalten ausgestattet und konnte sich daher ein kräftiges Konjunkturpaket leisten. Die Netto-Neuverschuldung ist hoch, lässt sich aber verkraften. Nach wie vor liegen die Schulden der öffentlichen Haushalte in einem komfortabel tragfähigen Bereich.
Was heißt das für die Anleger?
Unser Ausblick für die Kapitalmärkte bleibt konstruktiv und damit zuversichtlich. Anleger sollten jederzeit handlungsfähig bleiben. Das gilt insbesondere in einem unruhigen Kapitalmarktumfeld. Für die Anleger heißt das: immer auf eine hinreichende Liquidität achten. Einige Monate lang sollte jeder Anleger seinen gewohnten Lebensstil aufrechterhalten können – egal, was kommt. Und auf lange Sicht können Anleger je nach Chance-/Risikoneigung der Renditekraft von Aktien vertrauen. Denn wie gesagt: In der Not sind Unternehmen erfinderisch. Anleger, die langfristig in einen breit aufgestellten Mischfonds investieren, sind dabei, wenn Unternehmen jetzt den Grundstein für ihre künftigen Erfolge legen.